Bericht Konventwoche 2015

... vom 16.-19.3.2015 in Willingen

Hauptamtliche retten nur noch kurz die Welt Ein herausfordernder Konvent für ca. 480 ordinierte Mitarbeitende (davon ca. 40 Diakone und Diakoninen) - nicht weil es (wie in dem titelgebenden Lied von Tim Bendzko) um Zeitmanagement ging, auch die apokalyptische Frage, wie viel Zeit es denn noch zur Rettung der Welt gäbe, kam nur am Rande vor - Zuallererst ging es um unser praktische Wirken in die uns umgebende und sich ständig verändernde Welt hinein. Symbol der sich verändernden Welt ist der neue Veranstaltungsort, der den Organisierenden eine wesentlich stressfreiere Vorbereitung ermöglicht hatte, als zuletzt in Kirchheim.


Die Räumlichkeiten liegen zudem dichter beieinander und sind im Wesentlichen barrierefrei erreichbar. Die Kapazität ermöglicht zum ersten Mal einen gemeinsamen Konvent aller ordinierten Mitarbeitenden. Beide Gruppen können sich auch für die Zukunft diese Form vorstellen. Michael Job, Vorsitzender vom Konvent der Diakoninnen und Diakone, freut sich über die offene Tür von Seiten der Pastorenschaft. Es sei in diesen Tagen das Bewusstsein dafür gewachsen, dass beide Berufsgruppen sich in ihrem Dienst für das Reich Gottes ergänzen. Diese Begegnung auf Augenhöhe sei eine Erfahrung, die Diakoninnen und Diakone zunehmend mit „ihrem“ Pastoren machen würden. Das Eröffnungsreferat hält Prof. Dr. Ralf Dziewas (Elstal) über „Das Reich Gottes - Arbeitsauftrag oder Jenseitshoffnung?“. Es geht dabei um die Bedeutung der Vorstellungen vom Reich Gottes für die Sozialethik. Beginnen würde das Reich Gottes mit dem Wirken Jesu, vollständig umgesetzt jedoch würde es erst mit der Wiederkunft des Auferstandenen. Bis dahin sei die Vollendung nur als Utopie vorweg genommen, an der sich Reden und Handeln der Gemeinde orientierte. Die Herrschaft Gottes wird dort erlebbar, wo Menschen, die befreiende Gnade Gottes erfahren haben, diese heute schon praktisch umsetzen. Die Gemeinde lässt sich dabei von Jesu Kommunikationsweise des Reiches Gottes inspirieren, nämlich die Verkündigung in Bildern und Gleichnissen, diakonisch-helfendes und befreiendes Handeln und das Feiern mit an den Rand Gedrängten. In den folgenden Referaten wird die Umsetzung in einzelne Themengebieten der Sozialethik ausgeführt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Astrid Biesecker (Bremen) spricht über Leitlinien für gerechtes globales Wirtschaften: „Nachhaltigkeit, gutes Leben und Vorsorgen“. Da im Kapitalismus wirtschaftliches Wachstum auf letztendlich auf Kosten von Mensch und/oder Umwelt ginge, wären neue zukunftsfähige Leitlinien notwendig, die Grundsätze der Nachhaltigkeit, eines guten, von Gerechtigkeit bestimmten Lebens und Vorsorge (Übernahme von Verantwortung für die Zukunft). Diese Leitlinien könnten allerdings nicht von oben verordnet werden, sie müssten zunächst zuerst im Kleinen aus der Gesellschaft heraus entstehen. Biesecker bezieht sich dabei auf das von Hans Peter Dürr stammende Bild, einen neuen Spieltisch aufzumachen, mit neuen Spielregeln, in dem Alternativen parallel eingeübt werden und so an Bedeutung für die Gesamtgesellschaft gewinnen könnten. Als Beispiel für diese Art von Entwicklungen nennt sie die Energiewende, die an vielen Orten von Bürgern aktiv gestaltet werde.
Prof. Dr. Friedrich Lohmann (Universität der Bundeswehr; München) beschäftigt sich in seinem Referat mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen als Thema christlicher Ethik: „Wie weit reicht die Gerechtigkeit?“ Von Röm 8,20f und 1. Mose 1,26ff ausgehend betont er sowohl das Miteinander von Mensch und übriger Schöpfung als Geschöpfe als auch die besondere stellvertretende treuhänderische Verantwortung des Menschen für die Schöpfung. Der Schutz natürlicher Ressourcen ist für ihn dabei auch Grundlage eines fairen zwischenmenschlichen Umgangs. Nicht gelebter Klimaschutz in reichen Länden hätte schon heute negative Auswirkungen auf Lebensumstände in den ärmsten Ländern. Warum dann in Sachen Umweltschutz trotzdem noch unsere Kinder für ihre Eltern haften werden? Lohmann zeigt Hinderungsgründe auf und nennt dabei auch den Punkt fragwürdiger theologischer Priorisierungen. So sei z.B. in der baptistischen “Rechenschaft vom Glauben“ zwar allgemein davon die Rede, dass „Christen ihre Verantwortung für Bestand und Schutz der Schöpfung ernst(nehmen)“, aber wenn es dann im Bekenntnis um konkretes Verhalten ginge, würden nur der zwischenmenschliche Umgang (z.B. Ehe- und Familienethik) angesprochen, nicht aber die Umweltethik. Er endet mit dem Appell, Hinderungsgründe zu hinterfragen und zu einem Zeugnis für umweltgerechtes Handeln zu werden.
Am Ende steht ein Doppelreferat mit Prof. Dr. Fernando Enns (Hamburg) und Pascal Kober (Reutlingen) zur „Friedensethik.“ Der Mennonit Enns vertritt im Geist der Bergpredigt die Ablehnung von Gewalt zur Lösung von Konflikten. Auf Nachfrage unterscheidet Enns zwischen legitimer polizeilicher und illegitimer militärischer Gewalt. Die Differenzierung sei nicht immer einfach, darauf müsse man sich jedoch einlassen, um einer billigen Gnade entgegenzuwirken. Kober hingegen sieht als Militärpfarrer im Sinne von Röm 13 die grundsätzliche Notwendigkeit von Militäreinsätzen zur Sicherung des Friedens sieht. Da nach ihm die unerlöste Menschheit in einer unerlösten Welt nicht auf Gewalt zur Sicherung des Rechts verzichten könne, dürften sich Christen gerade an dieser Stelle nicht verweigern.
Ergänzt werden die Referate durch ein großes Spektrum an Workshop- und Seminarangeboten, in denen die Praxis der Sozialethik im Vordergrund steht und Anregungen für den Berufsalltag gegeben werden, z.B. von dem baptistischen Pastor Jens Stangenberg (Bremen) der das von ihn mitinitiierte Programm „Serve the City“ vorstellt.
Auf dem Konvent werden auch für alle gemeinsame wichtige Fragen besprochen. Im Bericht des Vertrauensrates der Pastorenschaft wird u.a. die Notwendigkeit von regelmäßigen Feedbackgesprächen für Pastoren und Gemeindeleitungen betont. Viele Konflikte ließen sich so frühzeitig klären. In einer Aussprache zum Bericht wird u.a. festgestellt, dass auf Seiten der Gemeindeleitungen oft ein hoher Fortbildungsbedarf bestehen würde. Zu Vorsitzenden des Vertrauensrates werden Petra Reinecke (Wedel), Udo Hermann (Erfurt) und Manuel Lüdin (Rostock) gewählt.
Des weiteren gibt es noch zwei Kulturabende. Der eine wird auf sehr sensible Weise von der Johannes-Falk-Band gestaltet, außerdem präsentiert sich der Comedian Torsten Hebel (Berlin). Mit seinem Programm macht er sich auch zum Anwalt der Zuhörer in unseren Gottesdiensten und spricht sich für mehr Humor auf der Kanzel aus. Als Startkapital opfert er dafür sogar eine seine Pointen zur freien Verwendung in der Weihnachtspredigt. Aber natürlich hat sich nicht nur deswegen die Teilnahme am Konvent gelohnt. Die Abfrage eines Feedbacks nach dem Konvent weist eine sehr hohe Zufriedenheit auf, zeigt aber auch Verbesserungspotentiale auf. Mankann also von guten Aussichten auf den nächsten Konvent sprechen. 


Christoph Schirrmacher, Pastor EFG Geretsried

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